Erster Eindruck: Microsoft Office auf dem iPhone

19 Jun, 2013

Die von Microsoft kürzliche angekündigte Office App für das iPhone ist nun auch im Schweizer iTunes Store verfügbar. Sie erlaubt es, Office-Dokumente nicht nur zu lesen, sondern auch zu bearbeiten – allerdings in sehr beschränktem Ausmass (siehe unten). Der Dokumententransfer zwischen iPhone und anderen Geräten erfolgt per E-Mail-Attachment, per SkyDrive (Microsofts Cloud Storage) oder über einen SharePoint Server. Grössere Dokumente lädt man mit Vorteil über eine WiFi-Verbindung herunter und nicht unterwegs über die 3G-Verbindung, zumal Office-Dokumente – insbesondere PowerPoint-Präsentationen – ziemlich gross werden können.

Die App selbst ist kostenlos. Um sie nutzen zu können, benötigt man aber ein Office-365-Abonnement, welches mit knapp 120 Franken pro Jahr zu Buche schlägt. Damit erwirbt man das Recht, Office auf bis zu 5 Rechnern mit Windows oder Mac OS zu nutzen – die iPhone App wird dabei nicht mitgezählt, schmälert also die Desktop-Installationen nicht. Der Anmeldeprozess ist simpel: Beim ersten App-Start muss einmalig das Microsoft-Account eingegeben werden, welches mit dem Office-365-Abonnement verknüpft ist.

Als Reader für Word-, Excel- und PowerPoint-Dokumente funktionierte die Office App bei unserem ersten Test problemlos und komfortabel. Das Interface ist aufgeräumt und selbsterklärend, die Funktionen sind beschränkt, aber praxisgerecht. Das Navigieren und Suchen in Dokumenten ist gut gelöst, so dass man sich trotz des kleinen Bildschirms auch in umfangreicheren Dokumenten zurechtfindet. Die Darstellungstreue ist unterschiedlich: Fussnoten beispielsweise wurden in unserem Word-Testdokument schlicht nicht angezeigt, rechts positionierte Bilder standen gerne auch mal links, und Tabellen konnten auf dem iPhone deutlich anders aussehen als am PC. Bei unserem PowerPoint-Testdokumenten wurden gewisse Folienübergänge nicht angezeigt, während Animationen innerhalb der Folien meist gut funktionierten. Um den Inhalt lesen zu können reicht die Darstellungstreue aber allemal.

Als Editor ist die Office App vor allem darauf ausgelegt, Dokumente zu überarbeiten, d.h. mit Kommentaren und Notizen auszustatten und kleinere Textänderungen einzuarbeiten. Dies funktioniert mit allen drei Dokumententypen einwandfrei, und ich kann mir gut vorstellen, auf dem Weg zu einem Kunden ein Word-Dokument korrekturzulesen oder eine PowerPoint-Präsentation mit letzten Kommentaren zu versehen. Mehr darf man von der Office App nicht erwarten – aber für die meisten Aufgaben eignet sich ein Desktop PC bzw. Notebook sowieso wesentlich besser.

Insgesamt macht Microsofts Office App einen wirklich guten Eindruck: Sie ist durchdacht, visuell attraktiv und nicht überladen. Dass man sie nicht wie eine normale App kaufen, sondern nur mit ein Office-365-Abonnement nutzen kann, dürfte für manche iPhone-Besitzer ein Wermutstropfen sein – als Office-365-Kunde empfinde ich es eher als ein kostenloses Goodie zu meiner Office-Suite. Einzig die Beschränkung auf das iPhone ist bedauerlich, denn auf einem iPad wäre die App noch wesentlich nützlicher. Ob es allerdings auch eine iPad-Version geben wird, scheint fraglich – wahrscheinlich möchte Microsoft lieber Surface-Tablets verkaufen als Apps für das Apple-Tablet.

About the author

Martin Sauter

Aufgrund seines Alters ist Martin Sauter definitionsgemäss kein Digital Native, aber ein bestens integrierter Digital Immigrant. Im Frog Blog bloggt er seit dessen Gründung im Jahr 2006. Als Chief Knowledge Officer der Y&R Group Switzerland ist er ständig auf der Suche nach kommunikative und technologische Trends in der digitalen Welt. Und sein Interesse für neue Tools ist legendär. Follow me on Twitter!

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