Die Welt ist wieder eine Scheibe

11 Jun, 2013

Apple stellt flaches iOS-Design-Konzept vor.

Nachdem bei Apple mit Scott Forstall die treibende Kraft hinter dem Design-Konzept «Aqua» vor einigen Wochen den Hut nahm, überschlugen sich die Gerüchte förmlich und eine ganze Branche hielt den Atem an.

Seit gestern Abend ist der Schuss nun raus: Apple präsentierte an der ersten Keynote der WWDC13 Konferenz ihr iOS7. Und es ist, entgegen den spärlich durchgesickerten Insider-Informationen, kaum polarisierend.

Zwar bietet das neue Betriebssystem für Mobilgeräte ein Strauss von teils vermissten Möglichkeiten und Funktionen, doch bricht es dabei erwartungsgemäss nur ansatzweise mit der bisherigen Ästhetik der iDevices.

Allem voran können alle Skeuomorphobiker etwas aufatmen. Denn Jonathan Ive, der neue Design Chef in Cupertino hat zumindest in dem Punkt erfüllt, was selbst eingefleischte Mac User zusehends für unumgänglich hielten: eine Entschlackung von Apples Benutzeroberflächen.

Zu sehr waren in letzter Zeit die Entwickler von Google‘s Android Innovationstreiber. Und seit dem Launch von Microsofts Windows 8 und Office 2013 steht eigentlich fest: Die Zukunft wird wieder flach.

Sicherlich können weltweit Abermillionen Computer-Nutzer Steve Jobs und Apples Ingenieuren dafür danken, dass aus «Plug and Pray» letztlich «Plug and Play» wurde. Doch nun sind wir schon seit Längerem am Ziel: Der Computer ist ein Alltagsgerät wie z.B. ein Toaster. Ohne dabei ein Toaster sein zu wollen. Fest steht, dass eine Agenda auf einem Smartphone nicht mehr wie ihr Äquivalent aus Papier und Leder aussehen muss, um ihre Funktionsweise dem Nutzer zugänglicher zu machen. Im Gegenteil.

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Was im Moment als Flat-Design in aller Munde ist, ist die logische Konsequenz einer Entwicklung über die letzten Jahre: Während Apple über mehrere OSX Versionen hinweg sein «Aqua Skin» modern zu halten versuchte und dabei der Seiltanz zwischen raffiniertem Design und plumpem Kitsch nicht immer gleich gut gelang, hat sich Microsoft zu einer radikal anderen Haltung durchgerungen.

Mit seinem «Aero» Design Apples «Aqua» bislang stets etwas hinterher, präsentierte Microsoft 2010 mit Windows 7 Phone ein revolutionäres Bedienkonzept mit einem UI, das sich in der formalen Haltung irgendwo zwischen Bauhaus und traditionellem Schweizer Grafik Design aufhält und sich damit konsequent jeglicher grafischer Effekthascherei entledigte. Das von Microsofts Joe Belfiore präsentierte Meisterwerk überzeugte und zog mit Windows 8 die Desktop Interpretation nach sich, welche den Spagat zwischen traditioneller Bedienung und Touch wagte. Über den Gewinn dieses Konzepts kann man geteilter Meinung sein. Unbestritten ist dafür die Wirkung auf gestalterischer Ebene. Denn seit der Markteinführung von «Metro» häufte sich die Kritik an Apples Oberflächen.

Das gestern vorgestellte iOS7 war für Apple gleichermassen ein wichtiger wie heikler Schachzug, galt es doch Kritiker wie Befürworter der bisherigen Designentwicklungen zufriedenzustellen. Nach dem ersten Eindruck scheint dies gelungen. Auch wenn das Präsentierte das Erwartete kaum übertraf. Dass die Einführung des zugegebenermassen verblüffenden Parallaxen-Effekts bei genauerer Betrachtung klar ein willkommener Ersatz für die geopferte Dreidimensionalität darstellt, steht indes fest. Und beweist so umso eindeutiger: Die Gegenwart ist jetzt wieder flach.

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