re:publica 12, Tag 2: Podcasting, Health 2.0 und Fernsehen

03 Mai, 2012

Im Hof der STATION Berlin herrschte bei sommerlichen Temperaturen Volksfeststimmung.

Nachdem gestern an der re:publica viel über grundsätzliche Gefahren der Internet-Gesellschaft debattiert wurde, ging es heute vermehrt um konkrete Erfahrungsberichte aus verschiedensten Gebieten der digitalen Welt. Die bis zu acht parallelen Sessions wurden dabei durch sogenannte Tracks thematisch gruppiert: Wer sich etwa für Journalismus und Medien interessierte, folgte dem Track re:port; wer etwas über die Rolle des Internets bei Protestbewegungen hören wollte, besuchte Sessions des Tracks re:volt; und wem es um gestalterische Fragen ging, der hielt sich an den re:design-Track. Nachfolgend einige ausgewählte Beispiele.

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Prominente Redner wie der “elektrische Reporter” Mario Sixtus füllten auch die deutlich grosszügigeren Hallen des neuen Veranstaltungsorts.

Der professionelle Podcaster Trim Pritlove erläuterte, warum Audio- und Video-Podcasts – einst als „Radio- bzw. TV-Sender für jedermann“ gehyped – nach wie vor ihre Berechtigung und ihre eigenen Qualitäten haben. Gut gemachte Podcasts würden zu einer viel intensiveren Bindung zwischen Produzenten und ihrem Publikum führen und wesentlich konstruktiveres Feedback generieren. Er widersprach zudem dem Argument, Internet-Nutzer hätten zu wenig Zeit und würden sich deshalb keine längeren Aufnahmen anhören bzw. ansehen: Pritlove beobachtet vielmehr eine „Wiederentdeckung der Langsamkeit„.

Auch die Präventivmediziner nutzen das Potential des Internets für ihre Arbeit. Kai Sostmann von der Berliner Uniklinik Charité stellte unter dem Schlagwort „Health 2.0“ verschiedene Projekte vor, welche Gesundheitsinformationen über das Internet an die breite Bevölkerung vermitteln, etwa zur ausgewogenen Ernährung oder zur Vermeidung sexuell übertragbarer Krankheiten. Das Konzept hat allerdings seine Grenzen, denn es gibt einen Digital eHealth Divide: Ärmere und bildungsferne Bevölkerungsteile haben auch schlechteren Zugang zum Internet und sind weniger an Gesundheitsthemen interessiert. Erfolgreicher scheint da das Startup washabich.de zu sein, das Ansgar Jonitz vorstellte: Medizinstudenten und Ärzte übersetzen hier anonymisierte Diagnosen für Patienten in allgemein verständliches Deutsch. Die gut 600 ehrenamtlichen Mitabeiter sind zur Zeit völlig ausgelastet und nehmen im Moment keine neuen Aufträge an.

Adam Hyde an der re:publica

Adam Hyde von FLOSS Manuals präsentierte Beispiele für kollaborativ erstellte Bücher. 

Unter dem Schlagwort Social TV stellte Uwe Schnepf eine Lösung vor, welche es dem Zuschauer ermöglicht, über einen HbbTV-tauglichen Fernseher mit seinen Facebook-Freunden zu kommunizieren, welche die gleiche Sendung anschauen. Über den berühmten Second Screen (das Smartphone oder das Tablet) geht das natürlich schon heute, Uwe Schnepf will einzig das TV-Programm und die Internet-Kommunikation im Fernsehgerät zusammenführen. Das Feedback aus dem Publikum war entsprechend kritisch, und die weitere Diskussion zeigte vor allem eines: Der einst so homogene Kanal Fernsehen wird immer heterogener. Smart TVs, unterschiedliche Digital-TV-Angebote der Netzbetreiber, IPTV verschiedenster Plattformen und divergierende Internet-Strategien der Sender führen derzeit zu einem schwer überschaubaren Angebot.

Und wenn wir gerade beim Fernsehen sind: Auch Mario Sixtus – bekannt als Elektrischer Reporter des ZDF – hatte seinen Auftritt an der re:publica. In einem Podiumsgespräch diskutierte er Zukunftsszenarien für die Internet-Gesellschaft, ausgehend von zwei Episoden der genialen Reihe Übermorgen-TV.

Übrigens: Der Spiegel überträgt die Sessions der re:publica live im Internet und bringt so ein bisschen re:publica-Feeling in die gute Stube.

About the author

Martin Sauter

Aufgrund seines Alters ist Martin Sauter definitionsgemäss kein Digital Native, aber ein bestens integrierter Digital Immigrant. Im Frog Blog bloggt er seit dessen Gründung im Jahr 2006. Als Chief Knowledge Officer der Y&R Group Switzerland ist er ständig auf der Suche nach kommunikative und technologische Trends in der digitalen Welt. Und sein Interesse für neue Tools ist legendär. Follow me on Twitter!

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